Category Archives: Aktuell

Ausstellung: Alois Nebel. Leben nach dem Fahrplan von Jaroslav Rudis und Jaromir 99

Vernissage: 12. Oktober 2022 | 18 Uhr

Ernst-Bloch-Zentrum der Stadt Ludwigshafen, Walzmühlstraße 63, Ludwigshafen

Vernissage mit einer Lesung von Jaroslav Rudiš und Musik vom Duo Kocourek

Ausstellungsdauer: 13. Oktober bis 22. Dezember 2022

Veranstalter Ernst-Bloch-Zentrum der Stadt Ludwigshafen am Rhein

in Zusammenarbeit mit Kultur Rhein Neckar e.V, Literaturhaus Stuttgart, Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz

Lesung mit Franco Biondi

Sonntag, 23. Oktober 2022 | 17 Uhr

Port25 – Raum für Gegenwartskunst, Hafenstraße 25-27, Mannheim

Moderation: Gisela Kerntke

» Mamo zielte auf die Straßenlaterne und presste den Zeigefinger auf den Abzug. Der Mechanismus setzte sich kaum hörbar in Bewegung. Doch bevor es knallen konnte, ließ er den Finger los und der Abzug schnellte in seine Ausgangsposition zurück. Dann nahm er das Auge vom Visier, in dessen Zentrum das glitzernde Licht der Laterne gestanden hatte, und lächelte …

… Seit seine Eltern und Geschwister nicht mehr im Lande bleiben konnten, hatte er angefangen, was ihn umgab, mit anderen Augen zu sehen, wie durch ein Vergrößerungsglas. Mittlerweile kamen die Nachbarn und die Bekannten ihm scheinheilig vor. Verlogen. Das, was sie sagten, stand im Widerspruch zu dem, was sie taten, zu ihrer Haltung. Das ging ihm unter die Haut … «

(Aus: Abschied der zerschellten Jahre © Überarbeitete Neuausgabe: Thelem-Verlag 2021)

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Lesung mit Olga Grjasnowa

Sonntag, 29. Januar 2023 | 17 Uhr

Port25 – Raum für Gegenwartskunst, Hafenstraße 25-27, Mannheim

Moderation: Eleonore Hefner

Noch vor einem Jahr hatte Jamalludin geglaubt, er würde im Himmel wohnen – so hoch und unerreichbar lag die Festung Akhulga. Um sie herum gabe es nichts außer den allmächtig wirkenden Bergen, die im Sommer mit Gras überzogen waren, im Frühling von einem Meer aus Blumen und im Winter mit Schnee und Wolken, die nicht fern am Himmel standen, sondern in unmittelbarer Nähe zu schweben schienen. Zu ihren Füssen wand sich ein schneller smaragdgrüner Fluss – der Andijskoje Koisu. Aus dieser Höhe erschien er unerreichbar, eine weitere Versuchung. «

(Aus: Der verlorene Sohn © Aufbau Verlag 2020)

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Lesung mit Katerina Poladjan

Sonntag, 19. Februar 2023 | 17 Uhr

Stadtbücherei Frankenthal, Welschgasse 11, Frankenthal

Moderation: Anna Barbara Dell

» In seinem Zimmer nahm Matwej Alexandrowitsch einen kräftigen Schluck aus einer Flasche, die er hinter den Kästchen verwahrte. Im Korridor klingelte das Telefon, aber er dachte nicht daran, sich zu erheben hinauszugehen und den Hörer abzunehmen. Was ging ihn das alles an? Janka war nicht seine Tochter. Als Matwej dieses Zimmer in der Kommunalka zugewiesen wurde, hatte er viele Pläne. Er wollte heiraten, ein Kind zeugen, ein guter Kommunist sein. «

(Aus: Zukunftsmusik © S.Fischer-Verlag 2022)

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Lesung mit Khuê Pham

Sonntag, 12. März 2023 | 17 Uhr

Hausboot im Kulturzentrum dasHaus, Bahnhofstraße 30, Ludwigshafen

Moderation: Viktoria Ong

» Ich muss diese Geschichte mit einem Geständnis beginnen: ich kann meinen eigenen Namen nicht aussprechen. Solange ich mich erinnere, war es mir unangenehm, mich anderen Menschen vorzustellen. Waren sie Deutsche, konnten sie die melodischen Laute nicht verstehen. Waren sie Vietnamesen, hatten sie Problem mit meinem harten Akzent. Die Deutschen umgingen das Problem, indem sie mich gar nicht ansprachen. Die Vietnamesen fragten: ‚Wie schreibt man das?‘ Einer sagte: ‚Bist du dir sicher?‘ Ich erinnere mich an meine kindlichen Versuche, mit meinem Problem umzugehen. Gingen wir zu Karstadt, fuhr ich in die Spielzeugabteilung und suchte unter den bedruckten Bleistiften nach meinem Namen. Gingen wir zum Baumarkt, setzte ich meine Hoffnungen auf die bunten, langen Schlüsselanhänger. Wenn ich meinen Namen nur finden würde, dachte ich, wäre das der Beweis, dass alles richtig war mit mir. «

(Aus: Wo auch immer ihr seid © btb HC 2023)

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