Category Archives: Programm

Jaroslav Rudiš

Sonntag, 15. März 2020, 17 Uhr

Port25 – Raum für Gegenwartskunst, Hafenstraße 25-27, 68159 Mannheim

Moderation: Eleonore Hefner

» Der Zug verließ den Bahnhof und Winterberg schaute aus dem Fenster und zeigte zu ein paar alten grünen Eisenbahnwagen auf der anderen Seite.

„Ja, ja, sehen Sie Herr Kraus, die Schmalspurbahn nach Oybin der sächsischen Spurweite 750 Millimeter, spätestens wenn wir in Bosnien sind, werde ich Ihnen etwas über die bosnische Spurweite von 760 Millimeter erzählen, ja, ja, die bosnische Spurweite kann lebensgefährlich sein, davon könnte der Thronfolger einiges erzählen, wenn er nicht tot wäre, ja, ja. Ich werde ihnen viel über den Schmalspurbahnenkrieg erzählen, der bis heute in Europa herrscht, da, sehen Sie, von Zittau fuhr früher ein Zug auch direkt nach Friedland, ja, ja, hier musste die Strecke abbiegen, ja, ja, genau. «

(Aus: Winterbergs letzte Reise © Luchterhand-Verlag 2019)

Meral Kureyshi

Sonntag, 01. März 2020, 17 Uhr

Hausboot im Kulturzentrum dasHaus, Bahnhofstraße 30, 67059 Ludwigshafen

Moderation: Nina Aleric

» „Wir hatten Elefanten im Garten. Der kleinste steckte seinen Kopf durch das Fenster in mein Zimmer und wollte mit Nüssen gefüttert werden.“

„Dumbo? Wie der Elefant aus dem Trickfilm?“

„Genau wie der hatte er geheißen, der Name passte gut zu ihm. Ich wollte noch eine Giraffe, doch mein Vater meinte, die würde dann so groß werden und über die Dächer schauen, sodass unsere Nachbarn sie sehen könnten, wir wollten unsere Tiere geheim halten, sodass sie uns niemand wegnehmen konnte.“

„Weshalb sollte euch jemand die Tiere wegnehmen? Habt ihr die Tiere in euren Koffern mit in die Schweiz genommen?“

Sarah war skeptisch meinen Geschichten gegenüber. Jedes Mal, wenn ich von meiner Heimat erzählte, stellte sie mir viele Fragen. «

(Aus: Elefanten im Garten Ullstein-Verlag © Hanser 2017)

Marko Dinić

Sonntag, 16. Februar 2020, 17 Uhr

Stadtbücherei Frankenthal, Welschgasse 11, 67227 Frankenthal

Moderation: Gisela Kerntke

» „Sie sind also Schriftsteller?“ fragte ich. Meine Neugier war wieder geweckt.

„Nein, nein! Um Gottes willen, das wäre ja zu viel des Guten. Es ist nicht die hohe Dichtkunst, kein Roman oder so etwas. Es ist vielmehr die Geschichte meiner Familie, die ich aufschreiben will. Knallharte Aufarbeitung, keine Gnade für niemanden! Ich suche nach den Ursachen, wissen Sie, also darf ich keine Rücksicht nehmen, auf meinen toten Bruder nicht, nicht auf meine Mutter oder gar meinen Vater, schon gar nicht auf irgendwelche Serben. Deshalb reise ich viel. Ich will die Leute treffen, denen Leid angetan wurde, diese kontaminierten Orte sehen … Nur die Verbrecher kann ich bei Gott nicht mehr sehen! In meinem Elternhaus sitzt immer noch einer und will nicht verrecken! Ich will nicht in die Verlegenheit kommen, etwas Menschliches in ihnen zu finden. Das würde mich nur durcheinanderbringen und mich von meiner eigentlichen Arbeit ablenken. Mir reicht schon dieser Zoo hier!“ Er deutete auf Zoran, der gerade konzentriert eine Geschichte oder einen Witz erzählte. «

(Aus: Die guten Tage © Zsolnay-Verlag 2019)

Natascha Wodin

Sonntag, 19. Januar 2020, 17 Uhr

Port25 – Raum für Gegenwartskunst, Hafenstraße 25-27, 68159 Mannheim

Moderation: PD Dr. Anna-Katharina Gisbertz

» Seit meinem letzten Besuch war eine lange Zeit vergangen. Ich fragte mich, ob die „Häuser“ noch standen, in denen wir gewohnt hatten, die primitiven, für ehemalige Zwangsarbeiter er bauten Nachkriegsblocks, die außerhalb der ländlichen Kleinstadt lagen, an der Regnitz, die schon in den sechziger Jahren zu einem Teil des Rhein-Main-Donau-Kanals geworden war. Im Vorbeifahren konnte ich sie nicht sofort entdecken, erst auf den zweiten Blick begriff ich, was sich verändert hatte: Die Blocks waren verschwunden, jedenfalls deckte sich, was ich jetzt sah, nicht mit meiner Erinnerung. Mich blickten ganz neue, pastellfarbene Fassaden mit modernen Kunststofffenstern an, hinter denen Wohnungen mit Zentralheizung und Warmwasser zu vermuten waren. Man hatte die Blocks nicht abgerissen, ganz im Gegenteil, man hatte sie saniert. Es erschien mir unwirklich, aber nun gehörten sie zur Stadt, waren eingebettet in ein belebtes Neubaugebiet. «

(Aus: Irgendwo in diesem Dunkel © Rowohlt-Verlag 2018)

Alexandra Friedmann

Sonntag, 17. November 2019, 17 Uhr

Hausboot im Kulturzentrum dasHaus, Bahnhofstraße 30, 67059 Ludwigshafen

Moderation: Friederike Appel

» „Rafik“, sagte Mama leise, und wieder tauchten Tränen in ihren Augenwinkeln auf. Das war seit dem Vorfall mit dem eingelegten Kohl in unserer Kiewer Küche häufiger geschehen. „Rafik, wir können ihn nicht besuchen. Und er wird auch nicht nachkommen…“

„Was ist mit ihm? Weiß er nicht, wo Tante Rita wohnt? Dann müssen wir ihm die Adresse schicken…“

Mama schüttelte den Kopf und brach in Tränen aus. Ich verstand nicht. Hatte ich etwas Falsches gesagt?

„Er … er ist … er ist einfach … nicht mehr da“, schluchzte sie.

„Nicht mehr da?“, wiederholte ich.

„So wie der schwarz-weiße Opa?“ «

(Aus: Sterben für Anfänger oder Rafik Shulmans erstaunliche Reise ins Leben © Btb-Verlag 2019)

Tanja Maljartschuk

Sonntag, 31. März 2019, 17 Uhr
Hausboot im Kulturzentrum dasHaus, Bahnhofstraße 30, 67059 Ludwigshafen

Lana Lux

Sonntag, 24. März 2019, 17 Uhr

Port25 – Raum für Gegenwartskunst*, Hafenstraße 25–27, 68159 Mannheim


* ACHTUNG: neue Location in Mannheim

Nino Haratischwili

Montag, 25. Februar 2019, 20 Uhr

Kulturzentrum Alte Feuerwache*, Brückenstraße 2–4, 68167 Mannheim

In Kooperation mit lesen.hören 13**


*ACHTUNG: neue Location in Mannheim

** Tickets sind ab Dezember unter www.altefeuerwache.com erhältlich.

Julya Rabinowich

Sonntag, 17. Februar 2019, 17 Uhr

Stadtbücherei Frankenthal, Welschgasse 11, 67227 Frankenthal

Emilia Smechowski

Sonntag, 03. Februar 2019, 17 Uhr
Hausboot im Kulturzentrum dasHaus, Bahnhofstraße 30, 67059 Ludwigshafen

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